Allein unter Tschechen

Kloster bei Schönbühel

Die einzige Perle, die wir an der Donau gefunden haben, ist Au. Am Fronleichnam-Wochenende ist hier der Bär los. Die Donau mit Donauauen und einem kleinen Hafen ist hier wirklich pitoresk. Der Campingplatz liegt hinter dem Damm an einem kleinen See, wo geangelt wird. Eine Zeltwiese mit Platz für jeden, der möchte, Feuerstelle und Picknickbänke.

Das tschechische Paar treffen wir hier mit ihren Rollern. Hut ab! Für uns wäre das nichts. Sie wollen bis nach Innsbruck und dann über den Brenner. Das Reisetempo ist sehr viel langsamer als das unsrige. Wir bekommen jedoch Lust, direkt Richtung Norden nach Tschechien zu fahren, zu den naturliebenden Tschechen, die allerlei Outdoor-Sportarten lieben. Damit ist die Reiserichtung gewählt. Kurz vor Linz verlassen wir den Donauradweg und begeben uns in das hügelige Hinterland Richtung Tschechische Grenze. In Südböhmen radeln wir ein.

Fitte Tschechin

Zelten an der Moldau auf dem Kemp Nove Spoli bei Český Krumlov: Ausser uns gibt es hier unzählige Kanuten, die auf der Moldau paddeln und am Kemp zur Übernachtung anlanden. Mann und Maus verbringen den Samstag des letzten langen Wochenendes im Frühsommer auf einer herrlichen grünen Wiese mit Fußballspielen, Frisbee und Feuerkorb. Es erinnert uns an früher, das Auerbach-Wochenende Anfang Juli. Nur die Sanitäranlagen sind um Klassen besser.

Kemp Nove Spoli

Die mittelschwere Mittelgebirgsetappe durch das herrliche Südböhmen ist wunderschön, wenn auch anstrengend. Eine Menge Radler sind unterwegs, sodass wir uns gegenseitig anspornen und motivieren. Zwischenstopps gibt es in Český Krumlov und Český Budovinje (Budweis). Als wir in Budovinje einradeln, erklingt vom Rathaus ‚Freude schöner Götterfunken‘.

Český Krumlov
Marktplatz in Budovinje

Zelten an der Luznice (Kemp Peonirak): Ausser uns, den Vögel, ein paar quakenden Fröschen, Rehen und Hasen und einer mümmelnden Bisamratte ist hier niemand. Die Wochenend-Gäste sind bereits abgereist. Wildzelten mit allem Luxus: warmer Dusche, schönen Sanitäranlagen, Feuerstelle und eiskalt gezapftem Bier.

Irgendwo im Nirgendwo (bei Tabor)
Königsfasan ‚(Syrmaticus reevesii) ist in Teilen … Chinas beheimatet… Einbürgerungsversuche in Europa und den USA schlugen meist … auf Dauer fehl. Es gibt derzeit aber … auf Hawaii, in Frankreich und in Tschechien freilebende Populationen.'(Wikipedia)
Moldau-Schleife bei Slapy. Brückensperrung. Wir müssen zurück.

Es folgt eine weitere Mittelgebirgsetappe Richtung Prag. Am Ende bringt uns das Wassertaxi über die Moldau. Der Kapitän hilft uns, die 40-Kilo-Fahrräder die Treppe auf das Boot hinunter zu tragen und schenkt uns dafür die Überfahrt. Noch vier Kilometer und 160 Höhenmeter bis zum Ziel. Zelten im Kirschencamping kurz vor Prag-Slivenec. Michal, der junge Betreiber, hat aus den Ställen des Bauernhofs edle Sanitäranlagen, Waschmaschine und Trockner eingebaut. Das Örtchen Slivenec hat eine Bierstube, leckeres Restaurant und Strassenbahnanschluss nach Prag.

Wir können soviel Kirschen pflücken und verkaufen, sodass wir die Campingplatzgebühr raushaben.
Frühstück besorgen wir im Potraviny

In Prag kommen wir zufällig zur Eröffnung der Praha Vinohrady Tartanbahn. https://www.prazskypatriot.cz/u-vinohradske-sokolovny-ma-atleticky-oval-novy-povrch-po-tom-starem-behal-filmovy-zatopek/ Die Sportanlage ist wie eine Zeitreise in den Sozialismus. Und wir? Allein unter Tschechen.

Eines von beiden

Wir lesen die Legenden der tschechischen Leichtathletik nochmal nach: Emil Zatopek, genannt ‚die Lokomotive‘, und Jarmila Kratochvilowa, die seit mehr als vierzig Jahren den Weltrekord über zwei Stadionrunden hält.

Mit der Strassenbahn 22 lassen wir uns an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei fahren.

Zelten an der Berounky kurz vor Pilsen. Wiesenzeltplatz mit aufgeregten, wandernden Kindern, mit Kanubegeisterten und weiteren unternehmungslustigen Menschen, die das nasse Wetter gar nicht stört und alle ihr Zelt aufschlagen. Am Kiosk gibt es alles für kleines Geld: den Aufenthalt, die heisse Dusche, Essen und Trinken, was das Herz begehrt. Sogar den leckeren Hermelin – tschechischer Camembert. Unerwartet am Abend Musik nach der Tschechischen Mundorgel von drei Musikanten und einer Handvoll Sänger. Allein unter Tschechen.

Zwei Stunden ansteckend fröhliche Volksmusik, auch wenn das Camping-Kiosk schon um längst schliessen wollte.
Pilsen, schöne Bier- und Studentenstadt
Echt französische Bäckerei in Pilsen

In Tschechien bezahlt man mit der Tschechischen Krone. In Tschechien spricht man tschechisch. Hier gibt es kein Ladenschlussgesetz und für Verbots- und Hinweisschilder gibt man auch kein Geld aus. In Tschechien kann man super zelten, Fahrrad fahren und im Kanu paddeln. Hier geht es spontan. Übernachtung und Versorgung braucht man nicht zu reservieren. Es ist genug Platz für jeden da. Verpassst haben wir den ‚Spanischen Vogel‘. Zu spät erfahren wir, dass es sich dabei um eine Rinderroulade handelt. Eine tschechische Spezialität. Die probieren wir nächstes Mal auf jeden Fall.

Mit etwas Wehmut verlassen wir Tschechien, auch wenn das Wetter täglich schlechter wird. Die Temperatur fällt. Der Himmel giesst sich in kurzen Abständen aus, gerne auch mit Hagel. Dazu geht es auf und ab.

Das Land mit seinen tollen Zeltplätzen, naturverbundenen und freiheitsliebenden Menschen hat uns sehr gut gefallen.

2 Kommentare

  1. Das ist mit Sicherheit ein Fasan, ein schöner Vogel.
    Tolle Campingplätze in Tschechien, solche gibt es hier in Deutschland sicher nicht viele.
    Prag ist sehenswert, wir haben übrigens vor vielen Jahren auch eine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn Nr. 22 gemacht.

    Liebe Grüße und weiterhin schöne Erlebnisse
    Heidi und Henner

  2. Guten Morgen Rolf und Astrid,

    Ich habe erst jetzt euren Blog gelesen. Tschechien hört sich sehr einladend an.
    Der Fasan, bestimmt ist es einer, sieht stark aus.
    Wenn ihr von kalten Temperaturen und Regen erzählt, wünsche ich mir das bei der Affen Hitze hier auch.

    Liebe Grüße von Petra

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