Wir blättern im Reiseführer ‚Provence Wandern‘ vom Michael Müller Verlag. Testweise laden wir den GXP-Track der Wanderung Nr. 30 herunter. Nach mehreren Tagen Genuss und Müssiggang in der herrlichen Stadt Aix-en-Provence suchen wir eine Herausforderung. Beim Frühstück beschliessen wir: Tagesausflug nach Sainte Victoire. In Aix gibt es zahlreiche Hinweisschilder dorthin. Der GXP-Track zeigt eine Rundwanderung auf den Grad des Massifs de Sainte Victoire. Da es keinen Bus gibt, radeln wir nach Vauvenargues. Es ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung. Dort gibt es frisches Wasser für unterwegs.


Hochmotiviert laufen wir los. Der Weg ist das Ziel. Der erste grosse Meilenstein ist ein Kloster und das Croix en Provence auf knapp 1000m Höhe. Toller Weg, tolle Aussichten.



Nach zwei Stunden, grösstenteils bergauf, erreichen wir das Croix en Provence. Es sind einige Wanderer unterwegs. Es folgt die Gradwanderung, eine Stunde, mühsamer als erwartet. Daraufhin der steile verblockte Abstieg, auf dem ein Weg nahezu nicht zu erkennen ist. Harte eineinhalb Stunden und 400 Tiefenmeter. Wir verlaufen uns, nehmen den falschen Abstieg. Inzwischen fangen wir an zu sinnieren. Wer hat solch einen Weg ausgeschildert? Warum wurde er in den Wanderführer aufgenommen? Warum laufen wir diesen Weg, anstatt uns in Aix ins Café zu setzen? Wir stellen uns vor, wie Paul Cézanne, seine Staffelei schulterte. 87 Mal ist er den Berg hochgestiegen, um ihn zu malen. Wir klettern weiter. Was bleibt uns auch anderes übrig. Die letzte Stunde geht es weitgehend eben auf Schotter. Die Zehen schmerzen. Endlich sind wir zurück am Wanderparkplatz in Vauvenargues. Pablo Picasso hat dort in einem Garten, den wir bereits vom Grad aus sehen konnten, seine letzte Ruhe gefunden. Frisches Wasser und zurück auf den Sattel. Wir freuen uns auf zwölf Kilometer Rückfahrt. Uh, wie entspannend!

Wäre schade gewesen, wenn wir die Wanderung verpasst hätten.
Tagsdrauf geht es in den Süd-Luberon, ins Herz der Provence. Diese Gegend, die unsere fünf Sinne ständig auf Trapp hält:
Wir fühlen die Wärme des Spätsommers. In der lauen Luft sitzen wir bis in die Nacht draussen.
Wir sehen das faszinierende Licht und die Farben der grünen Landschaft, der Weinfelder und Olivenhaine, die ockerfarbenen Dörfer und Schlösser, das Blau des Himmels und die Sterne bei Nacht.
Wir schmecken das Baguette, Croissants und das Triangle aux Amandes aus der Bäckerei in Cucuron.
Wir riechen den Duft der Pinien, der Kräuter der Provence und des Lavendels, obwohl er jetzt nicht blüht.
Wir hören das Zirpen der Grillen, die Gitarrenmusik unseres Nachbarn auf dem Campingplatz und das Rauschen des Windes.


In Ansouis landen wir nur, weil eine Strecke gesperrt ist. Unsere persönliche Umleitung führt bis zur Burg – was für ein Glück!



In Cucuron sind wir mit Ursula und Hanspeter verabredet. Wir haben uns 2022 auf unserer Reise durch Italien kennengelernt. Es ist, als liegen nicht vier Jahre dazwischen. Drei Tage verbringen wir miteinander, kochen, spielen Petanque und Brändi Dog, und reden über unsere Reiseerlebnisse, das Gehn oder Bleiben, den Sinn des Lebens, das Hier und das Jetzt, und das Morgen!




Montag nach dem Frühstück geht es weiter. Nach diesen Urlaubstagen im schönen Luberon, geht es nach einigen Kilometern mal wieder in den Reisemodus. Erst auf dem Luberon-Rundweg, dann auf dem Durance-Radweg und schliesslich Richtung Rhône. Der Mistral bläst, wie passend. Meist noch von der Seite, dann verstärkt von vorn.

Guten Morgen ihr beiden,
Ich liieebe die Bilder von Cézanne!
Und erst gestern habe ich mit Freunden darüber gesprochen, dass ich unbedingt bald einmal in die Provence reisen möchte.
Wie schön ihr die Gegend beschrieben habt mit allen Sinnen!
Sehr anschaulich, auch durch die tollen Fotos und super nachzuempfinden.
Ich bin begeistert!
Ich freue mich auf noch viel mehr Fotos und Berichte, wenn wir uns wieder sehen.
A bientot, Petra
So schöne Fotos und so ein interessanter Bericht – ja, die Provence ist wirklich ein herrliches Fleckchen Erde.
Ich freue mich für Euch, dass Ihr so viel erleben dürft 🙂