Die beiden fröhlichen Reiseradler Dominique und Jean-Paul aus der Normandie sind auf dem Via Francigena unterwegs. Kamil aus Marokko, vor 50 Tagen in Tanger losgeradelt, freut sich, dass jemand seine Sprache spricht. Die zwei Hamburger Abiturienten auf Road Trip wundern sich, dass kein Auto neben den drei Zelten steht.
Wie selbstverständlich essen wir an einem Tisch und quatschen in der Gemeinschaftsküche. Wir tauschen unsere Routenpläne aus. Die Besitzerin ist auch dabei. Ihr Haus ist noch in der Fertigstellung. Sie stammt aus Brindisi und komplettiert so die diverse Gruppe. Am Morgen ist klar: wir lassen Pisa und Firenze, die überlaufenen Touristenhochburgen, rechts liegen und folgen dem Francigena Richtung Carrara und weiter nach Lucca.

Die Steinbrüche bei Carrara sieht man schon von weitem weiss scheinen. Bald passieren wir die verarbeitenden Betriebe mit den großen Marmorblöcken.



Weiter geht es über Massa nach Lucca. In Massa findet in zwei Tagen das Einzelzeitfahren des Giro statt. Allerdings ohne uns.


Lucca, eine Stadt mit einer wunderschönen Stadtmauer. Sie ist voll erhalten, vier Kilometer lang und sehr breit. Sie wirkt damit wie ein großer Park. Die Menschen gehen spazieren, sporteln und geniessen die Sonne vom frühen Morgen bis in den späten Abend, wenn in der Altstadt schon längst kein Sonnenstrahl mehr ankommt.

Auf dem Eurovelo (EV) 7 (Sonnenroute) geht es über die Appenini. Was für eine Kletterei! Aber es hilft nichts. Wir müssen auf die andere Seite. Am Lago di Suviana erreichen wir unseren Campingplatz. Angeblich hat er geschlossen, obwohl er sehr einladend aussieht. Wir trinken erstmal ein Bier in der Bar neben an. Irgendwas wird passieren. Doch die Besitzer kennen kein Erbarmen. Sie wollen uns nicht aufnehmen. Zum Glück gibt es um die Ecke einen weiteren kleinen Platz. Dort treffen wir Morten, der mit dem Rad auf dem Weg nach Firenze ist, sowie eine Handvoll weiterer Reiseradler. Am nächsten Morgen geht es ausgeruht Richtung Bologna, tendenziell bergab. Der EV 7, hier nagelneu, eine echte Katastrophe und wirklich nicht zu empfehlen. Der Belag ist grob, Steigungen bzw. Gefälle von über 20% und nebenan eine glatt asphaltierte Strasse mit wenig Verkehr. Der Planer ist vermutlich nie selbst Rad gefahren.

Über Bologna radeln wir weiter nach Lendinara, einer Kleinstadt in der Poebene 100 Kilometer südlich von Venezia.

Wir besuchen die Rinaldis. Die Familie von Daniela und Franco besteht aus 23 Menschen (6 Kindern und 10 Enkel und PartnerInnen), von denen die meisten in Lendinara geboren wurden, leben oder dort hin geheiratet haben. Zwei Nächte sind wir zu Gast und dürfen erleben, wie diese Menschen aus drei Generationen miteinander leben und arbeiten. Vier von ihnen, Michela, Chiara, Emanuele und Marco führen das Familienunternehmen, das Franco vor 40 Jahren gegründet hat. Sie stellen Objekte, wie Brunnen, Pflanzentöpfe, Sonnenuhren … für Haus und Garten her.



Einen ganzen Tag lang führen uns Daniela und Franco durch Lendinara und Umgebung. Wir starten mit Frühstück im Mamma Mia. Es folgt ein Spaziergang durch die Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Kirchen und Klosterbesuchen. Später fahren wir nach Montagnana, die Stadt mit der best erhaltenen Stadtmauer, dem leckeren Schinken und wissen nun, wo Daniela und Franco ihren Marktstand haben, wenn sie ihre Kunstwerke anbieten. Weiter geht es nach Este, der Stadt am Rand der Euganenische Hügel.




Kirchen und Türme, Geschichten, Religion, Historie, Kultur, Wirtschaft und Natur sowie die heilige Elisabeth als Bindeglied zwischen Lendinara und Marburg. Daniela kennt sich super aus und erzählt uns alles. Wir ergänzen, wie es bei uns in Deutschland ist.

in Lendinara Pause macht
Im Haus der Rinaldis gehen Eltern, Kinder und Kindeskinder ein und aus. Daniela lädt zum Essen. In dem angrenzenden Betrieb arbeiten vier ihrer Kinder. Ein tolles Team. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Zum Mittagstisch kommen sie hier zusammen, essen, trinken, reden und lachen. Es herrscht eine sehr entspannte, lockeres Athmosphäre und wir merken wenig Müdigkeit von einem doch anstrengenden Arbeitstag.




Die zwei Tage sind so ereignisreich, dass sie uns viel länger vorkommen. Grazie mille euch allen, das ihr euer Haus für uns geöffnet habt, ohne uns zu kennen! Grazie mille für eure Gastfreundschaft! Gerne kommen wir wieder. Dann mit Angela und Philipp.
Liebe Reiseradler,
den Begriff kannten wir noch nicht, eher Terrorradler usw. Nach langen Versuchen und entsprechendem Fluchen, der Computer macht wieder das was ich und nicht er will. Immer wieder frage ihn (den Comuter) ob er (der Computer) durch das geschlossene oder offene Fenster nach draussen fliegen will. Er (der Computer) schweigt, der Feigling. So, das musste gesagt werden.
Nun zu Euch: Ihr schafft es immer wieder unsere Augen für uns unbekannte Gegenden der Welt (grosses Wort) zu öffnen und nicht nur das, wir können indirekt dabei sein. Schön und dafür herzlichen Dank. So, für uns bleiben jetzt 2 Wochen Sylt und wir denken an Euch und fahren mit.
Liebe Grüße und immer unbeschädigte Reifen.
Christel und Fred K.
Ihr lieben fröhlichen Reiseradler,
die Lektüre Eures Blogs gehört genauso zum Samstag wie die Lektüre der SZ ☺️! Und manchmal kenne ich auch die von Euch besuchten Orte… Lucca hat mir vor mehr als 30 Jahren sehr gut gefallen, und in Cinque Terre sind wir 2022 fünf Tage gewandert, da war dank Corona nicht sooo viel los und ich fand die Landschaft und die Dörfer sehr schön, auch wenn man an manchem Nadelöhr im Stau gestanden hat. Bis gespannt, wo Euch die Reise noch hinführt!
Liebe Grüße von Doro
Guten Morgen Rolf und Astrid,
Gerade habe ich erstmal auf mapcarta geschaut, wo ihr lang gefahren seid. Sehr eindrucksvoll! Was für herrliche Städte und Bauwerke!
Wie schön, dass ihr auch in Ferrara vorbei gefahren seid.
Und schade, dass u. a. solche phantastischen Kunstwerke und die Verzierung der Häuser aus Marmor auf der anderen Seite die Landschaft so sehr zerstören. Ein Dilemma.
Es ist immer wieder klasse, wie gastfreundlich ihr aufgenommen werdet und ihr Land und Leute wirklich kennen lernen könnt.
Und ich wundere mich immer wieder WIE SCHNELL ihr euch durch die Länder und Landschaften bewegt.
Ganz viel Spaß und schöne Entdeckungen wünsche ich euch vom Balkon, wo es schon um 8.00 Uhr langsam zu warm wird.
Petra
Ist Carrara nicht die Stadt (Region) der Trowaner?
Hallo ihr Zwei,
wir nehmen an, dass ihr die Familie von Angie besucht habt. Eine tolle Großfamilie!
Schön, dass ihr die Familie kennengelernt habt.
Lucca mit seiner beeindruckenden Kathedrale, Bologna, Carrara, alles berühmte Städte, die wir nur aus dem Fernsehen kennen.
Weiterhin schöne Erlebnisse und
herzliche Grüße
Heidi und Henner