Über den Dächern von Nizza

‚Und wenn schlechtes Wetter ist, laufen die Menschen noch immer im T-Shirt herum. Wenn es noch schlechter ist, gehen sie gar nicht erst raus,‘ erzählt uns Elliot. Wir kommen nach zweieinhalb Wochen bestem Frühlings- und Radfahrwetter am Mittelmeer an. Es stürmt und das Meer tobt. Ein paar Stunden später schüttet es.

Elliot, aus Nîmes, echter ‚Südfranzose‘

Wir treffen Elliot kurz vor der Einfahrt auf den Campingplatz Montauroux. Welch ein Glück, denn der Platz macht heute erst auf. Der Pächter ist dort, um ihm ein Häuschen zu vermieten. So kommen auch wir unter. Elliot ist auf dem Weg nach Griechenland. Seine erste Tour, zwischen Bachelor und Master. Er freut sich über unsere Berichte und Erfahrungen. Wir freuen uns über seine. Es gibt Geschichten und Einschätzungen über Junge und Alte, Südfranzosen und Nordfranzosen, Wirtschaft und Rassismus. Ein kurzweiliger Abend bevor wir an die Cote d’Azur, die Küste der Reichen und Schönen, radeln.

Das Mittelmeer – jetzt nur noch abrollen
Cannes: ‚Die Absteige‘ für die Prämierten der Filmfestspiele
Fischladen in Cagnes-sur-Mer, wo wir auf dem kleinen, aber feinen CP ‚Le Columbier‘ unseren ersten Ruhetag verbringen
Fromagerie in Cagnes-sur-Mer
Nizza
Hafen von Nizza

Wir nutzen den französischen Teil des Eurovelo (EV) 8. Der EV8 ist der Mittelmeer-Fernradweg von Südspanien bis in die Türkei, mal besser, mal schlechter ausgeschildert. Hier an der bebauten und verkehrsreichen Cote d’Azur macht er uns den Weg frei. Dafür ist er längst nicht nur ein Küstenradweg, sondern führt uns in das nahe Hinterland. Schon sieben Kilometer hinter Nizza geht es hoch in die Seealpen, die sehr schnell Gipfel über 3000 müNN haben. Wir fahren die „Grand Corniche“ mit knackigen Steigungen hoch zum Col d’Eze auf immerhin 507 müNN. Es ist auch das Trainingsgelände für die lokalen Radsportler, von denen uns Packeseln einige mit ‚bon courage‘ Anerkennung zollen.

Col d’Eze, 507müNN
Kaffeestop in La Turbie

Auf der Grande Corniche, eine von drei Küstenstrassen, Richtung Menton und italienische Grenze, umradeln wir so auch den Fürstenstaat Monaco. Wir teilen uns die Strasse mit wenigen Autos. In Menton haben wir wieder Glück und siedeln auf einem traumhaft gelegenen Campingplatz. Über den Dächern von Menton liegt der Camping Saint Michel.

Tags drauf radeln wir nach Monaco. Ein ’neues‘ Land in Europa entdeckt!

Stippvisite in Monte Carlo, Monaco

Monte Carlo im Zwergstaat Monaco ist eine künstliche Betonoase, wie Las Vegas, Miami, Batumi und andere ‚Traumziele‘ für Superreiche und Möchtegern-Reiche. Sie fahren mit Aufzügen zu einem kleinen aufgeschütteten Strand. Immobiliengeschäfte, Juweliere, exklusive Möbelläden und noch mehr Luxus findet man hier. Kleine Themenparks, wie der Jardin Petite Afrique mit exotischen Pflanzen sorgen für das Grün. Die fünf Pixiklos im Garten wirken mehr als fehl am Platz. Es gibt 7000 Monegassen und knapp 40.000 Einwohner zahlreicher Nationalitäten. Laut Reiseführer kommen auf 65 Einwohner ein Polizist. Kleinkriminalität ist so gut, wie ausgeschlossen. Wohnungslose gibt es trotz immenser Wohnungsnot nicht. Wer auffällig ist, wird des Landes verwiesen (500 Meter weiter in Frankreich abgesetzt). Der Autoverkehr und zahlreiche Baustellen sorgen für einen ständigen Lärmpegel. Auch hier geht es küstennah, ständig auf und ab. Wir sausen ein Stück die kurvenreiche Formel1-Strecke hinunter, am Casino vorbei, lassen uns vom Porsche Carrera nicht abschütteln und fühlen uns wie Louis Hamilton. Demnächst wird sie wieder für die schnellsten Männer der Welt gesperrt.

Kunstwerk im Zwergstaat Monaco

Da freuen wir uns doch nach unserem Ausflug in die ebenso grosse Stadt Menton zurückzukommen. Es ist natürlich, quirlig und lebhaft. 1000m sind es bis zur Grenze nach Italien von der Strandpromenade und dem Alten Hafen von Menton. Noch französisch und doch schon merklich italienisch. Ein guter Mix unterschiedlicher Temperamente. In der Fussgängerzone singt jemand. Im Hafen wird geangelt und am Strand liegen die ersten im Bikini. Hier haben wir unseren Einkaufsladen, unseren Sitzplatz am Hafen, den Bull McCape’s Irish-Pub und 130 Meter höher gelegen den Campingplatz Saint-Michel mit Panorama-Blick von unserem Zelt aus.

Saint Michel Kathedrale in Menton
Menton ist die Zitronenstadt, ganz im Südosten Frankreichs

‚Alpen und Meer‘: Die Landschaft an der Coté d’Azur, das Hinterland, Provence und Seealpen grandios. Die Bilder können dies gar nicht zeigen. Unser Weg an die Cote d’Azur führt durch das schöne Luberon, mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Westalpen. Wir streifen die Schluchten des Verdon und übernachten auf dem 1* CP (Camping Paradies) des hübschen Ortes Cotignac.

… geschnitzt aus Olivenholz

Wir profitieren von der Platznot. Auf den Campingplätzen bekommen wir einige Male als Reisende mit Zelt und unmotorisiert einen reduzierten Tarif. Zudem reisen wir energieunabhängig. Grosse Camper haben schlechte Karten. Teure Plätze, enge Strassen und steile, kurvige Auffahrten treiben den Schweiß auf die Stirn. Wenn alle hier Citroën Ami und Fiat Topolino fahren würden, wäre viel gewonnen.

Zu guter Letzt noch was für Gourmets: 1995 wurde die französische Chips-Firma ‚Brets‘ gegründet. Inzwischen haben die einen riesigen Marktanteil. In den Supermärkten sieht das jetzt so aus:

Es gibt sie, wie man sieht, in unzähligen Geschmacksrichtungen. Unser derzeitiger Favorit ist ‚Fromage du Jura‘.

Für echte Profis empfehlen wir diese hier:

Wenn man die Tüte öffnet, riecht es krass nach eingeschlafenen Füßen – aber sie schmecken klasse.

6 Kommentare

  1. So schöne Bilder und Berichte zum hautnah miterleben !!
    Vielen Dank daß Ihr uns an Euerm Abenteuer so ausführlich teilhaben lasst und an Land und Leuten aus einer so persönlichen und besonderen Perspektive !
    Alles Gute weiterhin , bestes Wetter und wunderbare Erlebnisse in schöner Landschaft und mit netten Begegnungen.
    LG Helga

  2. Hallo ihr zwei Lieben

    Euer Bericht berührt mein Herz. Menton ist meine zweite Heimat, ich habe lange in der Altstadt gelebt. Ich liebe diesen Ort. Ich hätte euch viele tolle Tipps geben können.

    Schön euch immer wieder auf eurer Reise begleiten zu dürfen, vielen Dank dafür.

    Liebe Grüsse
    Ursula & Hanspeter

  3. Guten Morgen ihr zwei Reisenden,

    Ich sitze hier gemütlich mit meinem Kaffee und genieße eure Erzählungen und die Fotos und habe gaaanz große Reiselust.
    Krass, wie der Unterschied zwischen Monte Carlo und den „heimeligen“ Orten ist.
    Der Mittelmeerbalkon auf dem Campingplatz in Menton ist der Hammer! Ich würde tagelang dort sitzen und gucken…

    Ich freue mich schon aufs nächste Wochenende.
    Liebe Grüße von Petra

  4. Wieder mal unterwegs! Ich freue mich für euch und ihre Frühlings Reise in Süd Frankreich .

    Tolle Bilder und tolle Erinnerungen!

    Geniess es und liebe Grüsse euch beiden von Herzen ♥️!

  5. Schön und interessant von euch zu lesen! Die Bilder von euch beiden sprechen für sich. Gut gelaunt und trotz der Strapazen entspannt, ihr seid halt in eurem Element…
    Apropos Topolino, unser Mäuschen wartet auf euch❣️
    ❤️lichst Nicole und Micha

  6. Hallo ihr Lieben,
    euer Bericht macht sooo Lust mal wieder in die Provence und an die Côte d’Azur zu reisen.
    … und die Brets, die nach eingeschlafenen Füßen riechen… muss ich unbedingt mal probieren! :-D))
    Liebe Grüße
    Lisa

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