Geplant ungeplant

Den Mittellandkanal immer gen Westen bis zur Weserschleuse, dann die Weser flussaufwärts mit Ziel Bielefeld (gibt’s wirklich).

Der ehemalige Industrienähmaschinenhersteller bestimmt das Stadtbild.

Aus dem angepeilten Campingplatz wird nichts. Wenige Kilometer vor Ankunft geht ein solcher Starkregen nieder, dass wir es gerade noch schaffen per Handy ein Zimmer zu buchen. Fürstlich übernachten wir in Bielefeld’s modernem Jugendgästehaus. Fürstlich essen wir in ‘1001 Nacht’, gleich um die Ecke.

Morgens geht es weiter Richtung Holland. Die ersten 50 Kilometer haben wir prominente Begleitung. Cousin Micha vom ProTour Team Alpecin/Fenix fährt mit uns.

In Udo Lindenberg’s Geburtsstadt Gronau kaufen wir für’s Abendessen ein. ‘Alles Gute und passen Sie auf sich auf’ ruft uns noch ein älteres Paar hinterher, die es nicht fassen können, dass man seinen gesamten Hausstand auf dem Fahrrad transportiert. Nach 135 Kilometern landen wir tatsächlich auf einem herrlichen holländischen Campingplatz mit Platz am See.

Weiter geht es Richtung Rotterdam: mit kurzen Hosen am Meer – zweiter Versuch! Statt eines Zeltplatzes landen wir in einem Recreatiepark, einige Kilometer hinter Apeldoorn. Nach vergeblicher Onlinebuchung stehen wir ratlos an der geschlossenen Rezeption. Ein freundlicher, reiseradbegeisterter Camper bietet uns an, auf seinem Platz unser Zelt aufzubauen. Seine Duschmarke bekommen wir gratis dazu. Super! Wir erleben, wie die Holländer in Holland Urlaub machen. So dachten wir doch bisher, sie bereisen zumeist das europäische Ausland.

Am nächsten Tag geht es durch königliche Alleen nach Gouda.

Hier gibt es den echten Gouda-Bauernkäse.

Auf dem schönen Bauernhofcamping werden wir herzlich willkommen geheissen. Das WLan fragt uns nicht nach dem Passwort. Aha, wir waren vor zwei Jahren schon mal hier. Gleich nebenan die Kühe, die abends und auch morgens um 4 Uhr, geräuschvoll in die mobile Melkmaschine gehen.

Schon frisch geduscht

Wir nehmen Kurs auf Rotterdam. Das Wetter ist weiterhin perfekt. Wir radeln durch die Krimpenerwaard, das am besten gehütete Geheimnis der Niederlande, so der Prospekt 🙂

Dann mitten durch Rotterdam, die Grosstadt mit dem imposanten Bahnhofsgebäude.

Rotterdam
Hinaus in die grosse weite Welt

den Wolkenkratzern und den kleinen Kanälen und natürlich dem Rhein und all seinen Nebenflüssen.

Softeis mit Perlen, kurz bevor wir nach Zeeland übersetzen.
Geschafft, in Zeeland in kurzen Hosen am Meer, laue 23 Grad am Abend.

Am nächsten Tag geht es weiter durch Zeeland. Noch ein bisschen Dünen, Meer, Sanddorn und Deiche. Und wir sehen Flamingos. Flamingos in Holland ? Wir dachten, die gibt es eher in Nordafrika.

Für dieses Foto hat ein Lastwagenfahrer auf der Strasse gehalten und mich rüber gelassen 🙂

Das war Holland: Windmühlen, 1000 Kanäle, Tiere mit kurzen Beinen, Kas von Frau Antje, Rudi Carell oder eins seiner Doubles und … kein Maskenball! Tot ziens!

Wir nehmen Kurs auf Antwerpen. Zwei Adressen haben wir und checken den Stadtcamping. Nach Überquerung der belgischen Grenze ist es mit der Idylle vorbei. Ganz Belgien scheint Industrie, verbaut, huppelige Fahrradwege, unglaublicher Verkehr. Hier wollen wir nicht bleiben. Wir pfeifen auf Antwerpen, fragen das Internet und entscheiden uns am Spätnachmittag mit knapp 100 Kilometern in den Beinen für weitere 50 Kilometer.

Das Wetter ist uns hold, der Wind bläst von hinten.

Camping Houtum, ein Paradies bei Kastellee ‘A stay to remember regardless if you spend a day, a week or a year’. Das ist nicht übertrieben. Dieser Campingplatz geht bei uns in die Top 10.

Maastricht, wir trinken Café bei den Cofeelovers, wir essen im Lumiére – Hotspot in Town – und trinken in der Brandweer-Cantine ein letztes Bier.

Anschließend kann man ins Kino gehen.
Céramique-Viertel

Und morgen geht es über Aachen mit dem Zug nach Hause.

Petra (und Jörg) in Aachen getroffen

Drei Wochen bestes Sommerwetter, 2000 Kilometer weitgehend auf ausgebauten Radwegen, geplant ungeplant,

  • eine Nacht wegen Schlechtwetter in vier Wänden,
  • ein Abend, an dem wir wegen Erschöpfung das Zähneputzen nicht mehr geschafft haben,
  • zwei Tage, an dessen Ende wir nicht wussten, wo wir übernachten werden,
  • ein Abend, an dem wir dachten, wir müssen hungrig ins Zelt,
  • ein Campingplatz, der in unsere Favoritenliste geht.

Wir freuen uns über die spontanen, herzlichen Begegnungen im Westen Europas.

4 Kommentare

  1. Hallo Astrid, hallo Rolf,
    Eine tolle Tourbeschreibung. Bewundere Eure Energie. 😀
    Petra aus Aachen kommt mir bekannt vor. Ist sie ursprünglich aus Marburg und war früher auf der MLS( Martin-Luther-Schule)?
    LG aus Schwabenheim
    Sabine

    1. Hallo Sabine, schön, dass dir unser Bericht gefällt. Petra ist Rolf’s Schwester, geb. 1963,auf den Namen Müller 😃

  2. Hallo Ihr zwei! Na endlich gibt’s mal wieder Berichte, ich dachte schon, Ihr habt Euch zuhause verkrochen! Schade, dass das Radeln in Belgien so schlimm war… Antwerpen, Gent und Brügge sind definitiv eine Reise wert, finde ich, und wir haben vor ein paar Jahren in Gent sogar Fahrräder gemietet und eine schöne Tour an der Schelde gemacht. Vielleicht müsst Ihr das nächste Mal ein Stück mit dem Zug fahren. Aber nächstes Jahr geht ja vielleicht mal wieder was ganz weit weg … Ist jetzt Winterpause??
    Liebe Grüße von Doro

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