

Bei Irun geht es über die Grenze nach Spanien. Der Student an der Supermarkt-Kasse in Irun, erzählt Astrid, als er bemerkt, dass sie aus Deutschland ist, dass er in Aachen ein Erasmus-Semester macht und fragt, ob die Uni gut ist und wo wir in Deutschland wohnen. Wir merken, wir sind in einem neuen Land, in einem anderen Kulturkreis.
Auf dem Zeltplatz, der ersten Station von Lennarts und Adrians Wanderung auf dem GR11, treffen wir Adrians Namensvetter mit Familie und Freunden aus Moldavien und der Ukraine. Der LKW-Fahrer lebt seit 15 Jahren in Spanien. Er hat unsere Stimmen gehört, fragt, wo wir herkommen, schenkt uns eine gekühlte Flasche Weißwein und wir tauschen uns in kurzer Zeit intensiv aus, über Deutsche, Franzosen, Moldavier in Spanien, über Politik, Rassismus, Familien und, und, und…

Irgendwann verlassen uns die Picknickgäste und wir bleiben mit einigen anderen Zeltern und den Tieren, deren Glocken die ganze Nacht bimmeln, unter uns.


Tags drauf gehen die Burschen gen Osten und wir radeln gen Westen.

Kulturtipp: Wenn wir mit den Jungs das Brettspiel „El Grande“ gespielt haben, wurde oft der Song „Boys in the Baskenland“ von Fontaines D.C. gespielt und mitgesungen. In echt heisst das Lied „Boys in the Better Land“, ein super Lied – hört euch es unbedingt mal (laut) an.
Wir spüren das zweitbergigste Land Europas nach der Schweiz.

Wir spüren jedoch auch, dass wir hier so sein können, wie wir möchten. Erstmal gewöhnen wir uns an den südeuropäischen Rhythmus. Bis 12 Uhr wird gegessen. Frühstück und Mittagessen gehen in einander über. Spätestens um 14 Uhr beginnt die Siesta und vor 17 Uhr passiert wenig.

Am Camping Eco Arbizu machen wir halt: ‚Sucht euch einen Platz‘ . Es ist Sonntagabend. Ein paar Gäste tanzen, andere spielen, einige sitzen in der Bar, manche grillen. Eine Gruppe von zehn Fussballerinnen campiert hier. Wer oben ohne rumlaufen mag, macht das. Jemand anderes jongliert gekonnt den Ball mit Fuss und Beinen, während wieder andere kochen.

Heute geht es Richtung Vitoria-Gasteiz, der Hauptstadt des Baskenlandes, anschließend weiter zum Camping El Roble Verde im Nichts. Sehr nett! Schwimmbad, Bar, Restaurant, kleiner Laden, freie Platzwahl. Neben uns eine Familie mit zwei Windelkindern und kleinem Camper. Sie essen später. Deshalb leihen sie uns ihren Tisch, als wir gegen 21 Uhr beginnen zu kochen. Der Spielplatz ist bis 23 Uhr geöffnet und die Kinder nutzen das.





Nach einem Tag auf der gut geteerten, wenig befahrenen Nationalstrasse 1 halten wir auf dem **** Stadtcaming in Burgos. Zeit für einen Stadtbummel zur Kathedrahle, Weltkulturerbe. Wir essen in einer der zahlreichen Tapasbars. So viele Menschen, alt und jung, sind draussen, und geniessen den lauen Abend. Lebenslust!

Jetzt nimmt uns der Jakobsweg gefangen. Auf staubigen Schotterpisten und in der Sonne gleissenden Strassen bewegen wir uns mit Pilgern Richtung Santiago. Ausser abgeernteten Getreidefeldern und ab und zu einem Sonnenblumenfeld gibt es hier nicht viel. Die wüstenhaften Orte wirken wie ausgestorben. Ob die angezeigten Herbergen Pilgerer aufnehmen, wissen wir nicht. Vielleicht sind sie während der Siesta geschlossen, vielleicht schon seit Jahren. Die Pilgerer sind 4x langsamer als wir. Fernwandern ist nichts für uns.


Wir entscheiden uns den Büsserweg zu verlassen und biegen am nächsten Morgen nach Norden Richtung Berge ab. Prompt wird die Landschaft lieblicher, grüner, Maisfelder kommen dazu und im Hintergrund das kantabrische Gebirge. Der scharfe Gegenwind bleibt. Wir radeln wellig auf gut 1000 Metern Höhe.

Übernachtung in Cistierna und die letzte Etappe dieser Woche wird zur Königsetappe. Wir queren das kantabrische Gebirge weiter Richtung Norden, Richtung atlantischer Küste, das Westmassiv der Picos de Europa: El Cornion, Spanien’s schönstes Bergmassiv und ältester Nationalpark (1918). Die Landschaft ist grandios, zwischen den Bergen ein riesiger Stausee. Die Temperaturen sind ideal, die Luft ist unglaublich klar und vor die Sonne schieben sich meist ein paar Wolken. Die Steigungen und Abfahrten sind moderat, sodass wir es geniessen. Unser Ziel ist in Sobrescobio, eine 800 Einwohner zählende Gemeinde in acht kleinen, sehr urigen, einladenen Orten mit Bars, kleinen Geschäften, einem belebten Ortsmittelpunkt und nagelneuem Campingplatz. An den Berghängen klingeln die Glocken der Weidetiere und bevor wir in den Campingplatz einfahren, kehrt erstmal ein riesiger Bulle ein. (Der Bauer holt ihn wenig später wieder heraus. :-))



